Investmentfonds & Steuern

Steuerliche Aspekte: Die wichtigsten Fragen und Antworten...

Hier finden Sie die Antworten zu den am häufigsten gestellten Fragen rund um Investmentfonds.

1. Welche Aspekte sind bei der steuerlichen Behandlung von Investmentfonds zu beachten?

Grundsätzlich werden Erträge aus der Anlage in Investmentfonds wie solche aus der Direktanlage besteuert.

2. Was sind ordentliche und außerordentliche Erträge?

Zur Ausschüttung gelangen die im Laufe eines Geschäftsjahres dem Fonds zugeflossenen ordentlichen und außerordentlichen Erträgen. Ordentliche Erträge sind steuerpflichtige Zuflüsse aus Zins-, Dividenden- und Mieteinnahmen einschließlich der anrechenbaren Steuern. Außerordentliche Erträge sind alle anderen Einnahmen, z. B. aus Veräußerungsgewinnen oder Gewinnen aus Termingeschäften. Der Teil der Ausschüttung, der aus Veräußerungsgewinnen und Gewinnen aus Termingeschäften besteht, ist für den Privatanleger steuerfrei.

3. Was ist der Zwischengewinn bei Investmentfonds?

Der Zwischengewinn ist der Teil des Ausgabe- oder Rücknahmepreises, der für aufgelaufene Zinsen, zinsähnliche Erträge und rechnerisch abgegrenzte Ansprüche gezahlt wird. Der Zwischengewinn ist von der Investment-Gesellschaft zu ermitteln und unterliegt der Zinsabschlagsteuer. Nicht zu dem steuerpflichtigen Zwischengewinn gehören u.a. Dividenden.

4. Wie wird der Zwischengewinn besteuert?

a) Zwischengewinnbesteuerung bei Kauf

Der beim Erwerb eines Investmentanteils gezahlte Zwischengewinn kann im selben Kalenderjahr als negative Einnahme vom Anleger in der Anlage KAP der Einkommensteuererklärung in Abzug gebracht werden.

b) Zwischengewinn bei Verkauf bzw. Rückgabe

Im Verkaufs- bzw. Rückgabepreis sind auch die seit der letzten Ausschüttung bzw. Thesaurierung erzielten zinsabschlagsteuerpflichtigen Erträge enthalten. Der gezahlte Zwischengewinn ist einkommensteuerpflichtig und unterliegt der Zinsabschlagsteuer.

c) Stückzinstopf

Der Anleger zahlt beim Erwerb von Fondsanteilen Zwischengewinn. Diese bei Käufen von Investmentanteilen im Ausgabepreis enthaltenen Zwischengewinne werden von dem depotführenden Kreditinstitut als Guthaben im sog. "Stückzinstopf" erfasst. Im Laufe des gleichen Kalenderjahres anfallende zinsabschlagsteuerpflichtige Kapitalerträge (bei Ausschüttung oder Thesaurierung) werden von diesem Guthaben in Abzug gebracht. Solange der "Stückzinstopf" ein Guthaben aufgrund gezahlter Zwischengewinne aufweist, verzichtet das Kreditinstitut bei ausgeschütteten oder thesaurierten Fondserträgen auf den Einbehalt von Zinsabschlag. Der bei thesaurierenden inländischen Fonds einbehaltene Zinsabschlag wird dem Anleger angerechnet oder erstattet.

5. Wie unterscheiden sich ausschüttende und thesaurierende Fonds steuerlich voneinander?

Für die Besteuerung macht es keinen Unterschied, ob Erträge im Fonds verbleiben (Thesaurierung) oder ausgeschüttet werden. Allerdings ist das Verfahren für die Abzugssteuern bei thesaurierenden Fonds anders: Unmittelbar aus dem Fonds heraus werden stets die Abzugssteuern (Zinsabschlagsteuer, Kapitalertragsteuer nebst Solidaritätszuschlag) auf die thesaurierten Erträge abgeführt. Bei Vorliegen eines ausreichend hohen Freistellungsauftrages oder einer Nicht-veranlagungs-(NV-) Bescheinigung erhält der Anleger bei einem Sparplan neue Anteile in Höhe der abgeführten Steuern. Bei ausschüttenden Fonds hat die auszahlende Stelle die Abzugssteuern nur bei Fehlen eines ausreichend hohen Freistellungsauftrages oder einer NV-Bescheinigung abzuführen. Liegt ein ausreichend hoher Freistellungsauftrag oder eine NV-Bescheinigung vor, erfolgt die Ausschüttung sofort ohne Abzug.

6. Werden deutsche und ausländische thesaurierende Fonds gleich behandelt?

Im Ergebnis ja. bei thesaurierenden inländischen Fonds wird grundsätzlich jedes Jahr ZASt unmittelbar aus dem Fonds an das Finanzamt abgeführt. Bei thesaurierenden ausländischen Fonds, die in einem inländischen Depot verwahrt werden, wird keine Zinsabschlagsteuer von den thesaurierten Erträgen einbehalten, solange der Anteilscheininhaber seine Anteile nicht veräußert oder zurückgibt. Denn es findet weder ein Zufluss an den Anteilscheininhaber statt, noch befindet sich der Schuldner der Kapitalerträge im Inland. Erst bei Rückgabe oder Veräußerung des Anteilscheins fällt Zinsabschlagsteuer an. Der Zinsabschlag ist dann von der Gesamtsumme der nach dem 31.12.1993 aufgelaufenen jährlich thesaurierten Beträge, die während der Haltedauer des Anlegers angesammelt wurden, zu erheben. Haben Sie die Erträge der Vorjahre bereits versteuert, sollten Sie dies nachweisen. Dies wird dadurch erleichtert, dass in jedem Jahr die steuerpflichtige Ertragsthesaurierung separat aufgelistet zur Anlage KAP angegeben wird. Dies empfiehlt sich auch dann, wenn die Kapitalerträge insgesamt den Sparerfreibetrag nicht übersteigen, also die Abgabe der Anlage KAP nicht zwingend notwendig ist. Bei ausschüttenden und thesaurierenden ausländischen Fonds in einem Depot im Ausland fällt weder bei Ausschüttungen noch bei Rückgabe oder Veräußerung der Anteile ZASt an.

7. Wie werden in- und ausländische Dividenden eines inländischen Fonds behandelt?

Der Fonds erhält inländische Dividenden nach Abzug von 25% Körperschaftsteuer. Diese Körperschaftsteuer ist weder auf Fonds- noch auf Anlegerebene anrechenbar (Definitivsteuer). Bei Ausschüttung oder Thesaurierung bleiben in- und ausländische Dividenden eines inländischen Investmentfonds als Ausgleich für diese Definitivsteuer für Kapitalgesellschaften steuerfrei oder werden von Privatanlegern, Personengesellschaften oder anderen einkommensteuerpflichtigen betrieblichen Anlegern nur zur Hälfte besteuert (Halbeinkünfteverfahren).

Kapitalertragsteuer in Höhe von 20% fällt auf die gesamte an den Anleger ausgeschüttete oder thesaurierte inländische Dividende an, auch wenn sie nur zur Hälfte steuerpflichtig oder vollständig steuerfrei ist. Diese Kapitalertragsteuer ist auf die Einkommen- oder Körperschaftsteuer des Anlegers anrechenbar. Bei Vorliegen einer NV-Bescheinigung oder eines Freistellungsauftrages in ausreichender Höhe wird bei ausschüttenden Fonds keine Kapitalertragsteuer abgeführt. Bei thesaurierenden Fonds wird die Kapitalertragsteuer zunächst abgeführt und bei Vorliegen einer NV-Bescheinigung oder eines ausreichend hohen Freistellungsauftrags dem Anleger erstattet.

8. Was ist der Aktiengewinn?

Der Aktiengewinn ist der Teil des Anteilpreises, der von Kapitalgesellschaften bei Veräußerung des Anteils steuerfrei bzw. von einkommensteuerpflichtigen betrieblichen Anlegern zur Hälfte steuerfrei vereinnahmt werden kann. Der Aktiengewinn ist daher nur für betriebliche Anleger von Bedeutung und nicht für Privatanleger.

Bestandteile des Aktiengewinns sind:

- Dividenden aus Aktien (Vorzugsaktien, Stammaktien, etc.),

- Erträge aus aktienähnlichen Genussscheinen,

- Veräußerungsgewinne von Aktien und aktienähnlichen Genussscheinen,

- Kursgewinne von Aktien und aktienähnlichen Genussscheinen.

Bei Dachfonds gehört auch der Aktiengewinn der inländischen Zielfonds dazu.

9. Gilt das Halbeinkünfteverfahren auch für ausländische Fonds?

Auf ausländische Fonds war das Halbeinkünfteverfahren bis 31.12.2003 nicht anwendbar. Das Halbeinkünfteverfahren gilt auch für ausländische Fonds, deren Geschäftsjahr in 2004 beginnt.

10. Welche Kosten können als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden?

Ohne Nachweis entsprechender Aufwendungen kann ein Steuerpflichtiger einen sog. Werbungskostenpauschbetrag in Höhe von Euro 51,- als Lediger bzw. Euro 102,- bei Zusammenveranlagung geltend machen. Höhere Werbungskosten können bei Vorlage entsprechender Belege geltend gemacht werden. Hierzu gehören Kosten für die Depotführung, aber auch Finanzierungskosten, Aufwendungen für Fachliteratur und Beratungsleistungen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den erklärten Kapitalerträgen stehen. Nicht zu den Werbungskosten zählen der Ausgabeaufschlag, der zu den Anschaffungsnebenkosten der Fondsanteile gehört. Die jährlichen Verwaltungskosten sind ebenfalls keine Werbungskosten des Anlegers.

Werbungskosten, die der Erzielung von nach dem Halbeinkünfteverfahren zu versteuernden Fondserträgen dienen, sind nur zur Hälfte abzugsfähig. Werbungskosten, die mit den voll zu versteuernden Fondserträgen im Zusammenhang stehen, sind in voller Höhe abzugsfähig.

11. Können Beiträge für Altersvorsorge-Sondervermögen (AS-Fonds) oder andere Investmentfonds als Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden?

Beiträge für Altersvorsorge-Sondervermögen und andere Investmentfonds können nicht als Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Beiträge für einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag, der Investmentfonds umfasst, können im Rahmen der begünstigten Beiträge als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden (sog. Riester-Fonds).

12. Gibt es einen Steuervorteil bei Altersvorsorge-Sondervermögen (AS-Fonds)?

Bei der steuerlichen Behandlung der AS-Fonds gibt es keine Unterschiede zu anderen Investmentfonds. AS-Fonds sind unter steuerlichen Aspekten attraktiv. Der Anlageerfolg besteht zu einem großen Teil aus Kurs- bzw. Veräußerungsgewinnen auf Fondsebene. Diese Gewinne sind nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei. Steuerpflichtig sind lediglich die vereinnahmten ordentlichen Erträge, wie z. B. Dividenden, Zinsen und Mieterträge, wobei Dividenden dem Halbeinkünfteverfahren unterliegen. Zu berücksichtigen ist auch ein eventuell noch nicht ausgeschöpfter Sparerfreibetrag. Bis dieser Freibetrag ausgeschöpft ist, also eine tatsächliche Steuerpflicht eintritt, müssen schon erhebliche Beträge in AS-Fonds angelegt sein.

13. Wie kann anrechenbare ausländische Quellensteuer vom Anleger geltend gemacht werden?

Anrechenbare ausländische Quellensteuer kann bei der Veranlagung zur Einkommensteuer geltend gemacht werden wenn sie nicht bereits vom Fonds als Kosten geltend gemacht wurden. Sie ist in der Anlage AUS zur Einkommensteuererklärung anzugeben. Die Jahresbescheinigungen der depotführenden Stellen geben nähere Auskunft. Dem Anleger steht grundsätzlich ein Wahlrecht zu, ob er die ausländische Quellensteuer auf seine deutsche Einkommensteuer anrechnet oder ob er sie bei der Ermittlung seiner steuerpflichtigen Einkünfte wie Werbungskosten abzieht. Der Abzug ausländischer Steuern anstelle der Anrechnung kann sich u.a. empfehlen, wenn die Werbungskosten die Einnahmen übersteigen oder der Anleger Verluste erzielt hat. Einzelheiten sollten mit einem Steuerberater besprochen werden.

14. Wann fällt die Spekulationssteuer bei Investmentfonds an?

Spekulationssteuer (auf Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften) fällt erst dann an, wenn der Privatanleger innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr Anteile veräußert oder zurückgibt und seine gesamten Spekulationsgewinne (Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften) im Kalenderjahr 512,- Euro erreichen. Wurden die Anteile wie bei Ansparplänen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erworben, so ist davon auszugehen, dass die zuerst erworbenen Anteile auch als erste als veräußert gelten (sog. FiFo-Methode). Spekulationsgewinne bei Investmentfonds werden nicht nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert, d.h. sie sind in voller Höhe bei Erreichen der Freigrenze von 512 Euro steuerpflichtig.

15. Welche Spekulationsfristen gelten bei Investmentfonds für den Anleger?

Für den Anleger gilt eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Beispiel: Erwerb am 13.05.2005, Veräußerung ohne Spekulationssteuer frühestens am 14.05.2006. Anders sieht es dagegen auf der Fondsebene bzw. für den Fondsmanager aus. Kurzfristige Veräußerungsgewinne auf der Fondsebene fallen nicht unter die Spekulationsfrist.

16. Können Spekulationsverluste aus dem Vorjahr bei Investmentfonds im nächsten Jahr geltend gemacht werden?

Spekulationsverluste aus der Veräußerung von Anteilen an Investmentfonds, die im Vorjahr realisiert wurden, können entweder in den unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum zurückgetragen oder in Folgejahre vorgetragen werden.

17. Wie hoch sollte mein Freistellungsauftrag sein?

Orientierungspunkte sind die Ausschüttungen der vergangenen Jahre. Eine konkrete Empfehlung kann der BVI leider nicht geben. Hilfestellung hierzu erhalten Sie direkt bei den betreffenden Fondsgesellschaften oder depotführenden Banken.

18. Muss nach einer Heirat von Seiten des depothaltenden Ehepartners ein neuer Freistellungsauftrag erteilt werden?

Mit dem Tag der Heirat verliert der bisher von jedem Ehepartner allein erteilte Freistellungsauftrag seine Wirksamkeit. Nach der Heirat müssen die Eheleute demnach neue Freistellungsaufträge gemeinsam erteilen. In den gemeinsamen Freistellungsaufträgen darf der Freistellungsbetrag nur in der Höhe erteilt werden, in der der Sparerfreibetrag zuzüglich Werbungskostenpauschbetrag von Euro 1.602 noch nicht durch abzugssteuerpflichtige Erträge vor der Heirat ausgeschöpft wurde. Die Bank oder Sparkasse muss sowohl die vor der Heirat als auch die nach der Heirat erteilten Freistellungsaufträge an das Bundeszentralamt für Steuern melden. Freistellungsaufträge müssen auch dann gemeinsam erteilt werden, wenn die Eheleute in der Steuererklärung die getrennte Veranlagung wählen.

19. Welche Rolle spielt die Jahresbescheinigung, die ich von meiner Bank erhalte?

Ihre depotführende Stelle, also Ihre Bank oder Investmentgesellschaft, stellt Ihnen jährlich eine Jahresbescheinigung aus. Diese ist wie eine Einkommensteuererklärung aufgebaut und enthält alle Informationen über die Kapitalerträge aus dem Vorjahr. Im Prinzip muß man nur die Angaben in der Jahresbescheinigung in die entsprechenden Felder der Einkommensteuererklärung übernehmen.